Montag, 23. Januar 2023

Hoch hinaus bei der Cabane de Moiry

Schon lange wollten wir mal wieder eine Tour weit über der Waldgrenze machen. Da die Eltern die Herbstferien zusammen mit uns im Wallis verbringen, hüten sie die kleine Carmen für eine Nacht, sodass wir einen richtig schönen Zweitäger planen können. Ziel ist eine Übernachtung in der Cabane de Moiry (SAC), ganz hinten im Val d' Anniviers. Vor Jahren waren wir schon einmal hier und bewunderten die Gletscherwelt.

Schon als wir oben am Stausee Lac Moiry ankommen, staunen wir ein erstes Mal: der See ist randlos gefüllt (aufgrund der Energiekrise) und sein türkisblaues Wasser leuchtet uns unwirklich entgegen. Was für eine Pracht mit den herbstkargen Berghängen. Wir halten an und versuchen diese "Karibik der Alpen" fotografisch festzuhalten.

Die Wanderung startet dann ganz hinten auf dem Parkplatz, nahe des Lac de Châteaupré auf 2'340m. Von hier steigen wir gemächlich in Richtung Hütte auf. Der Weg führt über die imposante Gletschermoräne und dann im zig zag bis auf 2'826m. Hier, bei der Hütte, tummeln sich tagsüber noch zahlreiche Ausflügler, teils sogar mit Kindern. Der Blick auf den leider auch schon recht klein gewordenen Gletscher ist überwältigend und auch talauswärts ist die Landschaft eine herbstliche Augenweide. Hübsche "Fotografenwolken" verzieren zudem an diesem Tag den Himmel. Wir deponieren unseren Ballast für die Nacht in einem der zwei noch geöffneten Schlafzimmer und beschliessen, noch etwas weiter aufzusteigen um den Gletscher besser bestaunen zu können. Durch die Geröllwüste geht es langsam hoch bis auf 2'900m. Die Wolken werden mal dichter, mal wieder lichter. Die Hochgebirgswelt ist immer imposanter und bald stossen wir auch in den Neuschnee vor. Nun lockt uns noch der Col du Pigne (3'137m), von dem uns unser Bergfreund, Andi Wipf, bereits erzählt hat. Was mag sich wohl dahinter verbergen? Vorbei an einem bereits zugefrorenen Seelein erklimmen wir den Pass. Nun können wir auf den hintersten Talabschnitt von Zinal blicken. Was für ein Tiefblick! Das Weisshorn und seine umliegenden Gipfel hüllen sich leider in Wolken. Die Stimmung und die Stille sind jedoch grandios. Mutterseelenalleine bestaunen wir die Bergwelt lange, bevor wir uns langsam, wieder an den Abstieg machen.

Bei der Hütte angekommen, ist es ruhig geworden. Nur drei zufriedene, französische Bergsteiger wollen auch noch hier oben übernachten. Am Abend bewundern wir über dem Glacier de Moiry eine glühende Abendstimmung und fotografieren die Milchstrasse, bevor wir uns nach einer Verpflegung in der Stille schlafen legen.

Am kommenden Morgen sind wir auch schon wieder in der Dämmerung bereit und geniessen wie der Tag erwacht. Es ist kalt geworden über Nacht. Nach dem Morgenessen nehmen wir bereits schnell einmal den Abstieg in Angriff, denn wir wollen noch das Gletschervorfeld erkunden, bevor wir uns am Mittag beim Parkplatz mit den Eltern und Carmen treffen. Der Abstieg über den gefrorenen Boden geht schnell und schon stehen wir vor den imposanten Eisformationen der sterbenden Gletscherzunge. Auch hier wurde das Toteis bereits vom Muttergletscher abgetrennt. Noch bevor die Sonne hier im Tal aufgeht, finden wir einen eleganten, sehr vergänglichen Eisbogen und viele andere, schöne Details. Dabei sind wir froh, als die Sonne um 11:00 Uhr aufgeht und uns ein Wenig wärmt. Über das Gletschervorfeld mit seinen bunten Farben und entlang des rauschenden Gletscherbachs geht es dann zurück zum abgemachten Treffpunkt.

Carmen rennt voller Freude auf uns zu und wir überreichen ihr die gesammelten, bunten Steine. Mit den Eltern setzen wir uns an das Ufer des Bachs und Carmen beginnt sofort mit den Steinen zu spielen. Was für ein unvergessliches Erlebnis in der erhabenen Bergwelt des Val d' Anniviers. Es hat wieder einmal gutgetan, so hoch hinaus zu gehen!

TOURDATEN
Aufstieg: 797m
Abstieg: 797m
Strecke: 9,0km
Reine Wanderzeit: 3,5h
Tiefster Punkt: 2'340 M.ü.M. (Parkplatz Moiry)
Höchster Punkt: 3'137 M.ü.M. (Col du Pigne)
Schwierigkeit: T4
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1307, Vissoie und 1327 Evolène
Beste Wanderzeit: Juli-Oktober
Unser Tourdatum: 18.&19.10.2022
Besonderes: In der Cabane de Moiry sind ab Ende September nur noch die einfachen Winterräume geöffnet. Das Brennholz war schon Ende Oktober beinahe aufgebraucht. Trinkwasser gibt es in der Nähe keines. Im Sommer kann man vom Col du Pigne steil in Richtung Zinal absteigen. Bei uns hatte es schattseitig bereits viel Schnee.













Samstag, 7. Januar 2023

Goldene Lärchen und die höchsten Schweizer

Die nächste Herbsttour führt uns in das von Lärchen geprägte Saastal (VS). Schon lange haben wir davon gewusst, dass die Lärchenpracht hier besonders reizvoll sein soll. Wir wollen vom Kreuzboden (2'398m) hinunter nach Saas-Almagell (1'660m) wandern. Schon bei der Anreise fällt uns auf, dass sich im Tal eigentlich keine anderen Bäume als Lärchen befinden. Im unteren Bereich sind sie zu dieser Jahreszeit auch noch grün, aber oben an der Waldgrenze ist ein goldenes Leuchten auszumachen. Also lassen wir uns erstmal gemütlich hochgondeln und staunen, dass an diesem milden Prachtstag nicht mehr Wanderer unterwegs sind. Der Blick auf die frisch verschneite Mischabelgruppe ist atemberaubend. Zuerst stören uns noch die diversen, dominanten Wintersportanlagen, doch schon bald wandern wir mit freier Sicht der Höhenkurve entlang und bewundern die einzelnen, kleinen Lärchen am Wegesrand. Nach zirka 2 Kilometern gelangen wir auf einen westlich ausgerichteten, felsigen Grat. Jetzt blicken wir ein erstes Mal hinunter auf Saas-Fee. Von Punkt 2'462 steigen wir im Zickzack ab auf den Grundberg und wählen den unteren, weniger begangenen Wanderweg der Waldgrenze entlang. Wie durch ein goldenes Fenster lassen sich von hier aus die hohen Berge beobachten. Eine wahre Herbstsymphonie. 

Die Route wird nun etwas felsiger mit geneigten Platten und grösseren Steinblöcken. Bei Punkt 2'174, unterhalb der Weissflue, beschliessen wir den direkten, steilen Abstieg zu wählen um die Tour nicht noch künstlich zu verlängern, zumal sich die Bergwelt nun auch schon weitgehend im Gegenlicht befindet. Da heisst es aufpassen, dass man nicht ausrutscht. Etwas unterhalb treffen wir auf uralte, riesige und Lärchen. Ehrfürchtig bewundern wir diese knorrigen Baumriesen, bevor wir in Richtung Schatten (Moosgufer) absteigen. Von hier aus ist es nun noch ein Katzensprung nach Saas-Almagell, wo wir Carmen und unsere Eltern treffen. Eine sehr abwechslungsreiche Tour mit stetem Blick ins hochalpine Gebiet. Genuss pur!

TOURDATEN
Aufstieg: 80m
Abstieg: 780m
Strecke: 8,0km
Reine Wanderzeit: 2,5h
Tiefster Punkt: 1'660 M.ü.M. (Saas-Almagell)
Höchster Punkt: 2'398 M.ü.M. (Kreuzboden)
Schwierigkeit: T3
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1329, Saas
Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 17.10.2022
Besonderes: Achtung:
Die Gondelbahn auf den Kreuzboden fährt jeweils nicht bis Ende Oktober! Die Wanderung kann noch bis auf die Almagelleralp verlängert werden. Dann hinunter entlang des Leebachs.








Mittwoch, 4. Januar 2023

Herbstgold am Illgraben

In der zweiten Oktoberhälfte, geniessen wir wieder unsere traditionellen "Lärchenferien". Diese stimmen wir jeweils auf die goldenen Herbstfarben ab. Im Herbst 2022 verbringen wir zwei Wochen im schönen Wallis, wo wir diverse Foto- und Wanderziele aufsuchen wollen. Hier, in unserem Fototagebuch, ein paar schöne, lohnenswerte Herbstwanderungen für Euch.

Schon öfters waren wir im Gebiet um St-Luc im Val d' Anniviers unterwegs. An unserem ersten Ferientag wollen wir zusammen mit Carmen zum eindrücklichen Illgraben wandern. Wir starten im Zentrum von Chandolin und steigen zuerst gerade ein Wenig entlang der Schneise der Skipiste auf, vorbei an der Cabane Illhorn. Schnell stellen wir fest, dass sich erst die obersten Lärchen an der Waldgrenze goldgelb verfärbt haben. Weiter unten leuchtet der Wald immer noch hellgrün. Es ist ein schöner, sonniger Tag mit guter Fernsicht und alle haben gute Laune. Der Alltag liegt weiter hinter uns. Bei Punkt 2'273 zweigen wir nördlich auf den Höhenweg ab, wo wir schnell eine wunderschön gelegene Sitzbank zum Verweilen finden. Carmen fotografiert mit ihrer Kinderkamera begeistert die Umgebung. Die Heidelbeerstauden leuchten immer noch rot im zu dieser Jahreszeit flach einfallenden Sonnenlicht. Was für eine Farbenvielfalt hier oben! Vor uns breitet sich das Unterwallis in seiner ganzen Grösse aus. Da können wir uns fotografisch austoben und geniessen diesen Ausblick ausgiebig. Dann geht es auf dem schmalen Wanderweg weiter in den immer dichter werdenden Lärchenwald. Alles um uns leuchtet goldgelb. Knorrige Kiefern sind jetzt auch zu bewundern. Carmen wandert und rennt den Weg selbst und hat sehr viel Spass daran, auch wenn sie unterwegs mal über eine Wurzel stolpert und es ein paar Tränen gibt.

Erst als der Weg nahe des Illgrabens steil abzufallen beginnt, nehmen wir sie in den Tragrucksack. So erreichen wir die Abbruchkante des Illgrabens und wagen einen vorsichtigen Blick hinunter. Carmen ist tief beeindruckt und stellt viele Fragen. Von da an vergeht praktisch keine Woche mehr, in welcher sie nicht einmal den Illgraben erwähnt. Nach langem Staunen wandern wir gemütlich über die Waldstrasse zurück in Richtung Chandolin. Auch hier bieten sich wunderbare Ausblicke auf das Rhonetal. Der Weiler Pramarin lädt mit seiner Sitzbank wieder zum Verweilen ein und auch der Aussichtspunkt, nahe Punkt 2'056, muss unbedingt besucht werden.

Eine angenehme, abwechslungsreiche Herbstrunde, welche für Wanderfreudige noch mit der Besteigung des Illhorns gekrönt werden kann. Dabei sind jedoch noch rund 500 Höhenmeter mehr einzuplanen.

TOURDATEN
Aufstieg: 294m
Abstieg: 294m
Strecke: 5,0km
Reine Wanderzeit: 2,0h
Tiefster Punkt: 1'979 M.ü.M. (Chandolin Zentrum)
Höchster Punkt: 2'273 M.ü.M. (Wegkreuzung)
Schwierigkeit: T2
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1287, Sierre
Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 16.10.2022
Besonderes: Die Wegroute nahe des Illgrabens verläuft sehr steil und erfordert absolute Trittsicherheit. In Chandolin sind Ende Oktober leider alle Geschäfte und Restaurants geschlossen. Etwas mehr Leben gibt's jedoch im nahe gelegenen St-Luc.










Mittwoch, 30. November 2022

Kleines Moorjuwel an der Grimsel

Einen bunten Vorgeschmack auf den Herbst, gibt es für uns bereits im September. Wir wollen an diesem Tag nur einen kleinen Ausflug machen und an der Grimsel ein Moor erkunden, welches wir vor einiger Zeit anhand des Satellitenbildes gefunden haben. Auf dem Bild ist auch ganz deutlich ein Trampelpfad zu erkennen, sodass wir die kurze Wanderung zusammen mit Carmen gut bewältigen können.

Wir starten an der Strasse in der Nähe des Räterichbodenstausees, versuchen möglichst gut am Baustellenverkehr der neuen Spitallammstaumauer vorbeizukommen und wandern dann auf dem alten Säumerweg. Wer da wohl früher schon alles mit Maultieren durchmarschiert sein muss? Eindrücklich! Carmen hat gute Laune und wir kommen schön vorwärts. An den schroffen Granitgraten um uns haben sich hübsche Quellwolken gebildet. Kurz nach der Abzweigung auf den Trampelpfad folgt auch schon das erste, wunderschöne Plätzchen auf einem doch recht ausgedehnten Moorplateau. Hier gibt es kleine Wasserläufe, blutrot verfärbte Heidelbeerstauden, gedrungene Kiefern und goldene Gräser zu bewundern. Wir beschliessen, auf dem Rückweg noch einmal hier zu verweilen. Doch nun sind wir sehr gespannt auf die grösseren Moorseen zwischen den vom Aaregletscher geschliffenen Felsrücken.

Schon bald haben wir ein Plätzchen zum Verweilen gefunden. Es befindet sich tatsächlich schön verborgen hinter den von niederen Kiefern überwachsenen Felsen und bietet einen prächtigen Blick auf die umliegenden, typischen Grimselfelszähne. Das dunkle Moorwasser bietet einen schönen Kontrast zum goldenen Moorgras. Carmen und Sandra setzen sich an die warme Sonne und dösen ein Wenig vor sich hin, während sich mit meiner Kamera das Gebiet näher erkunde und dabei wundervolle Herbstdetails finde. Alles wirkt wie ein sorgfältig arrangierter Garten. Doch die Gärtnerin hier ist Mutter Natur und sie macht es definitiv am besten. Kaum zu glauben, aber so nahe von Passstrasse und Wasserkraftanlagen herrscht hier absolute Stille und ist nichts von der Zivilisation zu sehen. Eine Wohltat für die Seele.

Nach über einer Stunde machen wir uns wieder auf den Rückweg, ohne natürlich den geplanten Zwischenhalt in den Heidelbeeren zu vergessen. Hier kann sich die kleine Carmen nun den Magen mit den überreifen Beeren vollschlagen. Wir schlemmen bis wir alle drei schwarze Zungen haben. Dann geht's auf dem Säumerpfad zurück zur Passstrasse. Manchmal muss es nicht eine weite Tour sein um absolutes Glück zu finden. Wir erfreuen uns heute noch an unserer hübschen Moorentdeckung.

Nachfolgend beschreiben wir eine sehr schöne, gut machbare Passage des Säumerpfads von der Handegg bis zum Hotel auf dem Nollen. Entlang des Weges gibt es diverse Moore zu sehen.

TOURDATEN (Säumerpfad von Handegg auf den Nollen)
Aufstieg: 580m
Abstieg: 20m
Strecke: 5,5km
Reine Wanderzeit: 1,5h
Tiefster Punkt: 1'400 M.ü.M. (Handegg)
Höchster Punkt: 1'980 M.ü.M. (Spittelnollen)
Schwierigkeit: T2
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1230, Guttannen
Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 19.09.2022
Besonderes: Kurz nach Handegg findet sich bergseitig eine Höhle und etwas später der imposante Säumerstein. Der Räterichbodensee wird westlich umwandert.













Donnerstag, 3. November 2022

Ein erneutes Wiedersehen mit dem Gerenpass / Chüebodengletscher

Wer hätte 2014, als wir zum ersten Mal zum Gerenpass (2'670m) hochstiegen, gedacht, dass dieses Gebiet einmal ein so berühmter Fotospot werden würde? Damals haben wir in mühseliger Handarbeit noch zwei Biwakplätze von Felsbrocken befreit, um überhaupt da oben übernachten zu können. Mittlerweile tummeln sich auf dem Pass pure Massen von Tagesausflüglern, Naturfotografen und ist man auch in der Nacht nur noch selten allein.

Zum letzten Mal haben wir den Gerenpass und den Chüebodengletscher im Jahr 2018 aufgesucht. In diesem September ist die Neugierde gross genug, um den Ort wieder einmal zu besuchen. Diesmal nehmen Andi Wipf und ich (Stef) die Route von All' Aqua in Angriff. Bei schönstem Wetter steigen wir steil zur Pianseccohütte auf. Die Sonne brennt in die Südflanke, welche über der Waldgrenze immer unwegsamer und "gerölliger" wird. Erste, bunte Herbstfarben verzaubern uns. Der Aufstieg zehrt jedoch an den Kräften. Weit oben treffen wir noch auf eine blutende, gestürzte Wandrerin und versuchen ihr erste Hilfe zu leisten. Sie ist hingefallen, weiss nicht mehr wie das passiert ist und hat Glück gehabt, nicht durch das steile Geröllfeld abgestürzt zu sein. Junge Wanderer kommen uns von oben entgegen und übernehmen den Fall. Später erfahren wir, dass es sich um eine ältere Eisschwimmerin handelt, welche regelmässig hier oben badet! Selbst müssen wir stets aufpassen, dass uns die schweren Rucksäcke nicht rückwärts überziehen.

Jetzt, am Nachmittag kommen uns von oben immer mehr Leute entgegen, teilweise mit zweifelhafter Ausrüstung und sogar mit Kleinkindern im Rucksack! Ausser Atmen kommen wir endlich oben an und staunen nicht schlecht. Riesige Eisberge bedecken den See des Chüebodengletschers. Wow! Dass es so etwas bei uns in der Schweiz gibt! Gerade verlassen die letzten Tagesausflügler den Pass und wir stellen unsere schweren Rucksäcke ab. Später erfahren wir, dass gerade vor wenigen Tagen wieder ein riesiger Teil des Gletschers unterspült wurde und die Eisberge tosend ins Wasser abbrachen. Was für ein Glück für uns. Am Nachmittag befindet sich die Szenerie aber leider im Gegenlicht, also mehr zum Staunen als zum Fotografieren. Wir stellen schonmal unser Biwakzelt auf und machen es uns gemütlich. Wahnsinn, was im Vergleich zum Jahr 2014 noch vom Gletscher übriggeblieben ist. Man kann sagen, es ist nur noch ein "Nichts". (Siehe untenstehendes Vergleichsfoto aus dem Jahr 2014, mit dem glühenden Himmel.)

Gegen Abend sind wir doch tatsächlich alleine hier oben, kraxeln an der Südflanke des Chüebodenhorns etwas höher und verschaffen uns einen besseren Überblick. Dabei entstehen einige schöne Stimmungsfotos, leider jedoch ohne Wolkenstimmung. So fotografieren wir bis zum Einnachten, bevor wir uns ins gemütliche Zelt legen und friedlich, völlig in der Stille und Einsamkeit, einschlafen.

Am nächsten Morgen sind wir bereits wieder früh um und auf dem Gletscher unterwegs. Andi will noch auf's Chüebodenhorn (3'070m) steigen und ich widme mich zwischenzeitlich ganz der aufgehenden Sonne mit den Eisbergen. Die Bildgestaltung ist recht herausfordernd mit den Schatten und den dicht aneinander liegenden Eisbergen. Das offene Wasser ist über Nacht zugefroren: also doch eine rechte Kälte hier oben. Bis gegen Mittag dokumentieren wir das Gebiet um den sterbenden Gletscher, bevor wir unser Lager abbauen und müde, aber glücklich wieder gegen Piansecco absteigen. Wiederum gilt es Acht darauf zu geben, dass man nicht hinfällt. Unterwegs kommen uns diverse Wanderer und Fotografen entgegen. Nach einer Rast und einem Imbiss in der neuen, wunderschönen Pianseccohütte, machen wir uns dann auf den Heimweg.

Wir wissen nicht, ob wir noch einmal an diesen Ort kommen wollen oder können. Viele schöne Erinnerungen an das "Island der Schweiz" werden wir jedoch immer in unseren Herzen tragen.

TOURDATEN
Aufstieg: 1'060m
Abstieg: 1'060m
Strecke: 7km
Reine Wanderzeit: 4,0h
Tiefster Punkt: 1'612 M.ü.M. (All' Aqua)
Höchster Punkt: 2'700 M.ü.M. (Chüebodengletscher)
Schwierigkeit: T4
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1251, Val Bedretto
Beste Wanderzeit: Juli-September
Unser Tourdatum: 11.-12.09.2022
Besonderes: Es gibt jetzt sogar ein spannendes Büchlein von Giovanni Kappenberger (Glaziologe) über den Chüebodengletscher. Momentan ist es nur auf Italienisch verfügbar, ist jedoch in Kürze auch in Deutsch zu haben.