Als auf der Alpennordseite bloss noch Schmuddelwetter prognostiziert wurde, ergriffen wir die Gelegenheit um in den sonnigen Süden zu fahren. Im Buch "Blütenwanderungen der Schweiz" haben wir schon oft über die Christrosenblüte im Tessin gelesen. Vergangene Ostern konnten wir am Monte San Salvatore sogar noch zahlreiche Samenstände begutachten.
Kaum hatten wir unser sympathisches Hotel Villa Carona (www.villacarona.ch) erreicht, zogen wir mit unseren Fotorucksäcken auch schon los in Richtung Wald und wurden bei bedecktem Himmel wahrhaftig nicht enttäuscht. Was für eine Blütenpracht auf dem kargen Waldboden. Da vergassen wir alles um uns und widmeten uns diesen winterharten Blumen ausgiebig. Die einzelnen, prachtvollen Blüten hatten einen Durchmesser von bis zu 7cm! Zwar fegte der starke Nordföhn eiskalt durch den Wald, aber wir vergassen alles um uns.
Am nächsten Tag machten wir uns dann auf die, im Blumenbuch beschriebene, Wanderung von Brè in Richtung Alpe Bolla und Denti della Vecchia. Zuerst führte der Weg durch uralte Buchen- und Kastanienwälder aufwärts. Wow, was für Baumriesen wir da begegneten. Dann ging's ewig lange im Schattenhang über festgepressten Schnee in Richtung Alpe Bolla. Kurz nach dieser, im Winterhalbjahr verlassenen Alp, ging nahe der Grenze zu Italien die Blütenpracht in den kargen Wiesen wieder los. Leider fegte hier oben der Föhnwind noch stärker über uns hinweg, sodass es uns wie Messer ins Gesicht schnitt. Unter diesen Umständen stiegen wir bloss noch bis zum Felsen von Btta di Brumea (Punkt 1'283) auf. Trotzdem ist die Gegend absolut nicht zu verachten und wir staunten über dieses winterliche Blütenwunder. So etwas Schönes...!
TOURDATEN (Brè - Alpe Bolla - Btta di Brumea)
Aufstieg: 498m
Abstieg: 498m
Strecke: 13km
Reine Wanderzeit: 5,5h
Tiefster Punkt: 785 M.ü.M. (Kirche Brè)
Höchster Punkt: 1'283 M.ü.M. (Btta di Brumea)
Schwierigkeit: T3
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blätter 1333, Tesserete und 1353, Lugano
Beste Wanderzeit: Mitte Dezember-Ende Februar (Für Christrosen)
Besonderes: Wer genügend Zeit hat, kann noch den Grenzgipfel Monte Boglia (1'516 M.ü.M) besteigen. Seine Nordseite ist jedoch im Winter stark vereist.
Der Januar 2013 hat's in Sachen Winterstimmung bislang wirklich noch nicht gebracht. Wir konnten noch keine einzige anständige Schneetour unternehmen sodass das Verlangen nach den Bergen wirklich langsam sehr gross wurde. In dieser "Not" hatte Sandra die Idee, für einmal hochhinaus zu wollen, nämlich auf den Titlis (OW/BE), auf welchem wir noch nie waren.
Gesagt, getan. Bereits zum Voraus informierten wir die Titlisbahnen und das Berghaus darüber, dass wir zum Sonnenuntergang gerne auf dem Gipfel bleiben möchten. Die freundlichen Angestellten organisierten alles für uns, sodass wir dann am Abend auch am einzigartigen "Candle-Light-Dinner" teilnehmen konnten. Am frühen Nachmittag starteten wir gutgelaunt mit der Gondelbahn in Engelberg. Oben, auf 3'032 M.ü.M. angekommen flohen wir sofort aus den Massen von Wintersportlern und bestiegen bei etwas Bruchharst den Titlis Hauptgipfel (3'238m). Die Route ist ohne gute Winterausrüstung absolut nicht zu empfehlen! Oben angekommen erwartete uns bei ca. -12 Grad ein beissender Westwind, welcher durch und durch ging. So genossen wir die prächtige Aussicht bloss ganz kurz um gleich wieder abzusteigen.
In völliger Einsamkeit dokumentierten wir dann um ca. 17:15 Uhr einen farbenfrohen, perfekten Sonnenuntergang und staunten immer wieder, wie nah doch die heimatlichen Berge (Niesen, Stockhorn, usw.) zu erkennen waren. Nach der Dämmerung durften wir dann wie abgemacht im Berghaus auf die anderen Dinner-Gäste warten, bevor wir ein wirklich üppiges und gemütliches Fondue Chinoise à Discretion und die Vollmondnacht genossen. Was für ein toller Tag mit einem krönenden Abschluss!
Herzlichen Dank an das ganze Titlis-Team für die unkomplizierte Unterstützung. Das ist echt gute Werbung! (http://www.titlis.ch)
TOURDATEN (für Schwindelfreie mit Winterausrüstung)
Aufstieg: 206m
Abstieg: 206m
Reine Wanderzeit: 1,0h
Tiefster Punkt: 3'032 M.ü.M. (Klein Titlis)
Höchster Punkt: 3'238 M.ü.M. (Titlis Hauptgipfel)
Schwierigkeit: T3
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blatt 1211, Meiental
Beste Wanderzeit: Dezember-März (Für Winterwanderung)
Besonderes: Der Titlisgipfel ist das ganze Jahr hindurch vereist. Eine tolle, gefahrenlose Aussicht geniesst man von der neuen Hängebrücke und der Aussichtsterrasse. Am Wochenende tummeln sich jedoch sehr viele Touristen auf dem Berg.
An einem wechselhaften Sonntag wollten wir unbedingt wieder einmal hinaus in den Schnee und brachen einmal mehr auf, zu unserem Lieblingsplatz im Jura, dem Creux du Van. Auch wenn der Himmel sich im Verlaufe der Hinfahrt kontinuierlich bedeckte, liessen wir uns die gute Laune nicht nehmen und bewunderten die prächtigen Schnee- und Eisgebilde auf dem Weg zur Felsenkante. Bedrohliche, dunkle Wolken wanderten langsam über das Firmament und kein Mensch war unterwegs: nur wir zwei ganz alleine bei klirrender Kälte.
Am darauf folgenden Mittwoch hielt es Stefan im Büro nicht mehr aus und meldete sich bereits am Mittag in Richtung Jura ab (herzlichen Dank dem überaus grosszügigen Arbeitgeber). Es war sozusagen der einzige Tag im Dezember mit perfekten Wetterverhältnissen. Was er da am Creux du Van antraf überstieg alle Vorstellungskraft. Bis zu 6cm lange Raureifgebilde an den Ästen der Bäume, eine jungfräuliche, unverdorbene Schneedecke, wohltuende Einsamkeit und Temperaturen bis zu -13° Celsius. Auf dem Rückweg kam dann noch die Krönung dieses märchenhaften Tages: ein glühender Sonnenuntergang.
Damit schliessen wir nun fotografisch das Jahr 2012 ab, blicken auf zahlreiche tolle Erlebnisse zurück und freuen uns auf 2013. Wir wünschen einen guten Rutsch...!
TOURDATEN
Aufstieg: 196m
Abstieg: 196m
Reine Wanderzeit: 2,0h
Tiefster Punkt: 1‘261 M.ü.M. (Parkplatz Grand Mont)
Höchster Punkt: 1'457 M.ü.M. (Krete Creux du Van)
Schwierigkeit: T1
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blatt 1162, Travers
Beste Wanderzeit: Dezember-März (Für Winterwanderung)
Besonderes: Während den kürzesten Tagen legt sich die Sonne selbst im Jura schon vor 16:30 Uhr schlafen. Auch über Mittag wirkt das Licht aufgrund des flachen Einfallswinkels sehr warm.
Schon als Kinder hat uns Grossmutti jeweils die Geschichte vom Schellen Ursli vorgelesen, welche im Engadin spielt. Die farbenfrohen, detailreichen Bilder von Alois Carigiet verzauberten uns bereits damals. In unseren Herbstferien waren wir nun unterwegs, in Schellen Urslis Heimat und waren beeindruckt vom prächtigen Dorf Zuoz, welchem wir uns eingehend gewidmet haben. Gepflegte Gassen, herausgeputzte, uralte Häuser und lauschige Plätzchen: das sind die schmucken Engadiner Dörfer zwischen Zernez und Bever.
Als wir nach langer Suche in S-Chanf endlich noch einen offenen Campingplatz fanden, genossen wir es, uns auf den Spuren von Schellen Ursli zu bewegen und die prächtigen Häuser von Zuoz genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese kleinen Dörfer sind ja um ein Vielfachs schöner als beispielsweise St. Moritz oder Pontresina. Sie haben den alten, traditionellen Charakter beibehalten können, ohne jedoch wie ein Freilichtmuseum zu wirken. Da konnten wir stundenlang verweilen und uns den typischen Engadiner-Details widmen. Wir merkten gar nicht, wie schnell der Morgen verging...
TOURDATEN (Von S-Chanf nach Madulain)
Aufstieg: 143m
Abstieg: 116m
Strecke: 4.5km
Reine Wanderzeit: 1.5h
Start- und Endpunkt: RhB Stationen S-Chanf und Madualin
Tiefster Punkt: 1'657 M.ü.M. (Dorfzentrum S-Chanf)
Höchster Punkt: 1'800 M.ü.M. (Wanderweg bei Castell)
Schwierigkeit: T1
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blatt 1237, Albulapass und 1238 Piz Quattervals
Beste Wanderzeit: Januar bis Dezember
Besonderes: Die Anfahrt kann bequem mit der RhB erfolgen. Nebst der Betrachtung der alten Häuser lohnt es sich, in Zuoz in der Bäckerei-Konditorei Klarer einzukehren. Da gibt es auch die traditionelle Bündner Nusstorte zu kaufen!