Montag, 21. August 2017

Verlängertes Wochenende im Gasterntal

Gerne suchen wir in jeder Lebenssituation das wilde, urwüchsige Gasterntal bei Kandersteg auf. Es ist das "Schweizer Yosemite-Valley" schlechthin, und der Ort, wo wir uns vor über 10 Jahren verliebten, bei den Frauenschuhorchideen. Nach den traurigen Erlebnissen vom Mai beschlossen wir, wieder einmal ein verlängertes Wochenende im Gasthaus Steinbock, Selden, bei Familie Künzi zu verbringen. Das Wetter spielte uns dabei keine grosse Rolle. Im Selden ist es immer gemütlich!

Ende Juni blühte in diesem Jahr bereits die Türkenbundlilie üppig, überall im Tal. Es war wiederum erstaunlich festzustellen, wie die Kander im hintersten Gasterntal schon abermals die Landschaft verändert hatte. Geröllmassen dominieren das Gebiet um den Heimritz. Aber auch hier fand sich ein wahres Blumenmeer von Türkenbund und Orchideen. Weiter oben, auf der Gletschermoräne des Kanderfirns fanden wir sogar noch tausende von Frauenschuhen. Leider hatte die erbarmungslose Sommersonne die meisten von ihnen bereits verbrannt, aber an schattigen Plätzchen fanden sich noch prächtige Exemplare. Am Abend durften wir dann sogar noch einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten. Dafür rannten wir im Selden hinaus auf die neue Hängebrücke und schon konnten wir das Spektakel geniessen.

Am letzten Tag beschlossen wir, unsere Körper noch einmal ein Bisschen zu fordern und endlich den inoffiziellen Pfad ins obere Halpi weiter zu verfolgen. Es ist ein halsbrecherischer, nicht ungefährlicher Aufstieg über 600 Höhenmeter, durch Felsbänder und steil abfallende Schuttfelder. Ein falscher Tritt würde hier wohl das Ende bedeuten. Trotzdem kämpften wir uns da hoch, bewunderten die immer schöner werdende Aussicht auf das vordere Gasterntal und konnten uns dabei so richtig abreagieren. Eine Trotzreaktion vielleicht, auf den Verlust unseres Sternenmädchens, Lara? Oben angekommen, fühlten wir uns dem Himmel ein Wenig näher. Das ganze Tal schien uns zu Füssen zu liegen.

Den Weg ins obere Halpi beschrieben wir Euch unten, möchten jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass er nichts für Schwindlige und schwache Nerven ist. Also nur absolut bergtauglich ausgerüstet in Angriff nehmen!

Nach all diesen schönen Touren, Blütenwundern und gemütlichen Momenten im Gasthaus Steinbock, waren wir dann wieder fit für die kommende Arbeitswoche. Danke unseren Gastgebern, für das übliche, kulinarische "Verwöhnprogramm" und die Logis in den gemütlichen Holzzimmerchen. Einmal mehr hat uns das wilde Tal Energie und Kraft geschenkt, von welcher wir danach noch lange zehrten.

TOURDATEN
Aufstieg: 632m
Abstieg: 632m
Strecke: 4.0km
Reine Wanderzeit: 3.0 h
Start- und Endpunkt: Talboden Gastereholz
Tiefster Punkt: 1'368 M.ü.M. (Talboden)
Höchster Punkt: 2'000 M.ü.M.  (Oberes Halpi)
Schwierigkeit: T5
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blatt 1267,Gemmi

Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 24.06.17
Besonderes: Der Einstieg erfolgt auf einem schmalen Waldpfad, vorne im Tal. Linkerhand, bei der Fahrt taleinwärts, findet sich ein kleiner Grasplatz mit einer Sitzbank. Hier ist der Start. Begehung auf ungesicherter Route auf eigene Verantwortung! Verlängerung möglich bis auf den Fisipass (2'798m).

















Sonntag, 6. August 2017

Abendstimmung in den Gastlosen

Bereits mehrmals haben wir versucht, unser Traummotiv in den Felszähnen der Gastlosen fotografisch mit einer glühenden Abendstimmung festzuhalten. Meistens erfolglos. Diesmal hat es nun bestens geklappt, mit dem Abendrot, und der Himmel schmückte sich sogar noch mit aufgelockerten Wolken. 

Mitte Juni, kurz vor dem längsten Tag, beschlossen wir nach Feierabend ein weiteres Mal gegen den Jaunpass und die Gastlosen aufzubrechen. Den Wagen liessen wir beim Chalet Grat stehen, natürlich nicht ohne zuvor noch die Bauernfamilie auf der Alp über unser Unterfangen zu informieren und um Parkbewilligung zu fragen. Danach stiegen wir den steilen, inoffiziellen Weg in Richtung Felsenmeer auf. Dieser wurde nun wieder frisch und gut sichtbar markiert. Schon während dem Aufstieg genossen wir das warme Abendlicht.
Oben, an unserem Plätzchen angekommen, verschnauften wir erst eine Weile, bevor wir uns umzusehen begannen. Überall boten sich schöne Motive an, doch es war nicht sicher, ob es wirklich ein schönes Abendrot geben würde. Die Dynamik der Wolken konnten wir nicht genau beurteilen und über die im Westen liegende Romandie legte sich einmal mehr ein recht dicht wirkender Dunstschleier. Es hätte also durchaus sein können, dass wir wie schon so oft, wiederum ohne unser Abendrotmotiv abzotteln mussten. Die Rundsicht war an diesem Tag jedoch eine Klasse für sich.
Doch diesmal stimmte einfach alles: die Wolken über den markanten Felszähnen, unseren Schweizer Dolomiten, begannen bald orange zu leuchten und auch die Berge selbst wurden immer intensiver rot. Der Dunst im Westen tat das seinige dazu, um uns ein unvergessliches, intensives Alpenglühen zu bescheren. Was für eine Freude.

Erst in der Dämmerung packten wir unsere sieben Sachen zusammen und stiegen wieder gegen das Chalet Grat ab, wo wir unter dem Sternenhimmel auf der Terrasse noch eine frische Milch genossen, bevor wir den Heimweg nach Krattigen antraten. Einmal mehr Glück gehabt!

TOURDATEN
Aufstieg: 340m
Abstieg: 340m
Strecke: 2.0km
Reine Wanderzeit: 2.0 h
Start- und Endpunkt: Chalet Grat
Tiefster Punkt: 1'642 M.ü.M. (Chalet Grat)
Höchster Punkt: 1'935 M.ü.M.  (Gastlosen)
Schwierigkeit: T3
Swisstopo Karte: 1:25‘000, Blatt 1226, Boltigen

Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 18.06.17
Besonderes: Um beim Chalet Grat parkieren zu dürfen, sollte unbedingt die dortige Bauernfamilie gefragt werden. Vor oder nach der Tour kann man sich auf der Terrasse etwas Feines zu Essen oder zu Trinken gönnen.