Montag, 17. November 2014

Ein genialer Morgen im Oberaargebiet

Schon lange führten wir das Oberaargebiet zuoberst auf unserer Wunschliste. Das Objekt der Begierde war das kleine Moorseelein auf der Bäregg, im ersten Morgenlicht. Von dieser Perspektive aus kann man die Stauanlagen der KWO sehr gut ausblenden und sieht nur den Oberaargletscher mit seinen umliegenden, blütenweissen Berggipfeln.

Als Herbstferienbeginn wählten wir nun genau dieses wundervolle Plätzchen aus und starteten Zuhause schon um 05:00 Uhr in der Früh. Unter einem prächtigen Sternenhimmel warteten wir noch einen Moment vor der roten Ampel der Oberaarstrasse auf der Grimsel, dann beeilten wir uns um an besagtes Plätzchen zu kommen. Just zur rechten Zeit kamen wir auf der Bäregg an, als gerade die blaue Stunde begann. Ein kühler Wind zog uns um die Ohren und kein Mensch fand sich weit und breit. Mit grosser Begeisterung bewunderten wir den werdenden Sonnenaufgang, welcher sich uns von seiner aller schönsten Seite präsentierte. Danach wollten wir uns eigentlich im Berghaus Oberaar aufwärmen, doch dieses war bereits geschlossen. So entschieden wir uns, dem Stausee entlang bis zum Gletscher zu spazieren.

Noch lagen viele Passagen im Schatten, doch das Sonnenlicht gewann bald Überhand und bei azurblauem Himmel bestaunten wir die prächtige, für den Winter bereite Berglandschaft. Auch der Gletscher selbst präsentierte sich griffig mit gut sichtbaren Vertiefungen, sodass wir es uns nicht nehmen liessen, ihm noch einen eingehenden Besuch abzustatten. Als Gletscherfans fanden wir da Gletschertische, kleine Bächlein, seltsame Sandhügel und alles, was zu einem richtigen Eismeer dazugehört. Wir verloren uns völlig auf diesem beeindruckenden Eisstrom, bevor wir uns dann langsam auf den Rückweg machten. Unterwegs gab's wiederum viele farbenfrohe Herbstmotive zu sehen und Massen von süssen Heidelbeeren zu naschen. Immer schneller zogen jedoch auch Quellwolken auf, sodass wir uns bereits am Mittag vom Oberaargebiet verabschiedeten. Was für ein tolles Fleckchen Heimat!

TOURDATEN
Aufstieg: ca. 100m
Abstieg: ca. 100m
Strecke: 7km
Reine Wanderzeit: 2,0h
Tiefster Punkt: 2'305 M.ü.M. (Oberaar Staumauer)
Höchster Punkt: 2'400m M.ü.M. (Oberaargletscher)
Schwierigkeit: T2
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1250, Ulrichen
Beste Wanderzeit: Juli-Oktober
Unser Tourdatum: 04.10.2014
Besonderes: Während den Sommermonaten kann im Berghaus Oberaar recht günstig übernachtet werden. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Doch im Herbst ist das Haus bereits früh geschlossen. Achtung: auf der Oberaarstrasse gelten Gegenverkehrssperrzeiten.












Sonntag, 16. November 2014

Natura Helvetica - Das neue Schweizer Naturmagazin

Seit Herbst 2014 erscheint in der Schweiz ein neues Naturmagazin, wie wir es uns schon lange gewünscht haben. Herausgeber, Stephan Girod, aus Erlinsbach im Kanton Aargau, hat in einzigartiger Eigenleistung und Begeisterung Natura Helvetica ins Leben gerufen. Ein Magazin mit erstklassigen Naturfotos, interessanten, wissenschaftlich unterlegten Berichten und Portraits von seltenen Pflanzen und Tieren. Es soll auch eine Plattform sein, für die unzähligen Naturfreunde in der Schweiz und die zahlreichen, erstklassigen Schweizer Naturfotografen.

Damit dieses wundervolle, interessante Magazin auch weiterhin erscheinen kann, braucht es Abonnenten! Helft uns mit, dass Natura Helvetica sich entwickeln kann und beschenkt zu Weihnachten Eure Freunde mit einem Jahresabonnement für nur gerade Fr. 89.00!

Auch wir selbst werden künftig mit Beiträgen mit von der Partie sein!


In der aktuellen Ausgabe am Kiosk:
- Das geheminisvolle Leben der Pilze
- Wie Gebirgsvögel für den Winter vorsorgen
- Gämswild - Ganz ohne Seil und Haken
- Herbstfarben im höchstgelegenen Bergwald Europas
- Portofolio von Marcel Schäfer
- Riedwiesen - Artenreichtum dank sorgsamer Pflege
- Binntal - Das Tal der verborgenen Schätze

Mehr Infos unter http://www.naturahelvetica.ch


Danke für Eure wertvolle Unterstützung!


Samstag, 1. November 2014

Grandiose Stimmungen im Felsenmeer: der Gerenpass

Eine unerwartet schöne Tour durften wir zusammen mit unserem Fotofreund, Martin Mägli, unternehmen. Bereits seit längerer Zeit haben wir uns für das unwegsame Gelände des Gerenpasses mit seinem Chüebodengletscher(li) interessiert. Ende September schien alles zu stimmen. Keine Selbstverständlichkeit in diesem Jahr!
Zuerst fuhren wir über den Grimsel- und den Nufenenpass ins Val Bedretto, wo wir bald einmal zu wandern begannen. Unwissend über die Schönheit dieses Tals, verblüfften uns die zahlreichen spiegelblanken Moorseelein und die prächtigen, bunten Herbstfarben. Wow, was für eine erhabene Landschaft. Martin fühlte sich an Alaska erinnert, nur dass noch die Bären fehlten. So kamen wir vor der Pianseccohütte (SAC) nur ganz langsam vorwärts und mussten dieses Herbstwunder trotz unseren schweren Rucksäcken immer wieder von Neuem dokumentieren. Kurz vor der Hütte zweigte der Weg dann links ab und stieg unmarkiert bis zu einem kleinen Unterstand auf ca. 2'350 Meter über Meer an. Von hier aus ging's dann auf einer schwach erkennbaren Wegspur weiter steil aufwärts, durch das lose Geröll und durch riesige Felsbrocken.
Oben angekommen (2'683m) fehlte uns der Atem und zwar nicht nur wegen der grandiosen Sicht auf den Gletschersee und die gegenüberliegenden Berner Alpen, Finsteraar- und Lauteraarhorn. Wow, was für ein wildes, hart zu verdienendes Fleckchen Erde. Zuerst erkundeten wir den kleinen Chüebodengletscher mit seinen Gletschertischen eingehend und blickten hinüber, auf den unter uns liegenden Grimselpass. Vor Sonnenuntergang mussten wir uns dann zwei Biwakplätzchen ebnen und dabei grosse Steinbrocken wegrollen. Danach konnten wir unsere Zelte erst aufstellen. Hier oben hat wohl noch nie jemand übernachtet.

Später folgte dann ein grandioser Sonnenuntergang in absoluter Einsamkeit. Ärgerten wir uns zuerst noch über die vielen Kondensstreifen der Flugzeuge, so boten diese uns nun das perfekte Himmelsglühen.
In der Nacht stellten wir die Kameras auf um Sternspuren zu belichten, bevor wir uns genüsslich in unsere Zelte verkrochen.
Auch der Morgen war nicht minder eindrücklich. In der blauen Stunde spiegelte sich die felsige Umgebung im Chüebodensee und kurz darauf begannen die Zinnen um uns glutrot zu leuchten. Was für ein unvergessliches Erlebnis, welches wir ausgiebig genossen.
Erst gegen Mittag machten wir uns an den beschwerlichen Abstieg und mussten aufpassen, mit dem schweren Gepäck am Rücken nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Unerwartet haben wir so ein grandioses, jedoch steinschlagmässig nicht ungefährliches Berggebiet entdeckt. Danke Martin, für die angenehme Begleitung und die vielen, guten Gespräche. Es war einfach nur toll...!

TOURDATEN
Aufstieg: 996m
Abstieg: 996m
Strecke: 13km
Reine Wanderzeit: 5,5h
Tiefster Punkt: 2'099 M.ü.M. (Kurve an der Nufenenpassstrasse)
Höchster Punkt: 2'700m M.ü.M. (Chüebodengletscher)
Schwierigkeit: T4
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1251, Val Bedretto
Beste Wanderzeit: Juli-September
Unser Tourdatum: 27.-28.09.2014
Besonderes: Bei einem Tagesausflug kann auch in der Pianseccohütte übernachtet werden. Der Aufstieg zum Gerenpass ist auch vom Gerental (VS) möglich, gestaltet sich jedoch streckenmässig noch länger.

















Samstag, 11. Oktober 2014

Vom Nägelisgrätli bis zum sterbenden Gletscher

Mitte September hat wettermässig glücklicherweise wieder einmal alles gestimmt. So entschlossen wir uns, mit Stef's Vater, Heinz, und unserem Fotofreund, Fritz Bieri, dem Nägelisgrätli an der Grimsel entlang zu wandern und eventuell noch einen Blick auf den Rhonegletscher zu erhaschen. Der Himmel war wolkenlos, als wir auf dem Grimselpass starteten und unsere Herzen lachten. Langsam stieg der Weg höher und höher. Während wir auf unserer Route keinem Menschen begegneten, dröhnten auf dem Pass Motorräder und Autos über die Strasse. Doch bald hatten wir den Strassenlärm hinter uns gelassen und wurden eins, mit dieser prachtvollen Bergwelt. Vor uns breiteten sich das Lauter- und Finsteraarhorn aus und sogar die Mischabelgruppe und das Matterhorn waren deutlich zu sehen. Wie klein wir uns da vorkamen! Das Grätliseeli auf 2'661m empfing uns mit einer perfekten Spiegelung des markanten Galenstocks (3'586m). Diesen herrlichen Ausblick genossen wir ausgiebig, bevor wir noch einen Blick auf den schwindenden Rhonegletscher werfen wollten. Ojeh, was hat man bei der Eisgrotte dem Gletscher angetan? Einem Leichentuch gleich wurde eine grosse Fläche mit Plachen abgedeckt. Das sieht schrecklich aus und ist doch bloss kurzfristige Kosmetik!
Zurück am Grätlisee, gönnten wir uns noch einmal eine gemütliche Picknickpause, bevor's wieder an den Abstieg ging. Kurz nachdem wir die "vollgedröhnte" Passhöhe erreichten, zogen auch schon die ersten Wolkenschwaden um das Nägelisgrätli. Was für ein Glück wir doch hatten!

Ganz herzlichen Dank unseren beiden geduldigen Begleitern. Es war wieder einmal genial mit Euch zusammen unterwegs zu sein und trotz schlotternden Knien, haben wir es alle ganz doll genossen.

TOURDATEN
Aufstieg: 582m
Abstieg: 582m
Strecke: 10km
Reine Wanderzeit: 3,5h
Tiefster Punkt: 2'164 M.ü.M. (Grimselpass)
Höchster Punkt: 2'661m M.ü.M. (Grätlisee)
Schwierigkeit: T3
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blätter 1230, Guttannen und 1250, Ulrichen
Beste Wanderzeit: Juni-Oktober
Unser Tourdatum: 14.09.2014
Besonderes: Das Weiterwandern vom Grätlisee in nordöstlicher Richtung lohnt sich in jedem Fall, denn von weiter hinten kann der (noch) imposante Rhonegletscher in seiner ganzen Länge bewundert werden.











Sonntag, 5. Oktober 2014

Biwak am unbekannten Goli des Otanes

Nach ausgiebiger Konsultation des Wetterberichtes und der Landkarten, beschlossen wir gegen Ende August, noch einmal ein Biwak im Unterwallis zu wagen. Zuhinterst im Val de Bagnes fanden wir eine wundervolle Bergregion mit zahlreichen kleinen Seelein und Blick auf das blütenweisse Massiv des Petit Combin (3'663m). Nach langer Fahrt starteten wir unsere kurze Wanderung schlussendlich bei der Cabane Brunet (2'103m). Das Ziel war das kleine, klare Bergseelin Goli des Otanes (2'552m). Dieses liegt etwas abgesetzt vom Wanderweg im Grünen, ist jedoch recht einfach zu finden. Oben angekommen bestaunten wir erstmal die prächtige Bergwelt und suchten einen geeigneten Biwakplatz für unser Zelt. Auf den kargen Bergwiesen war dieser schlussendlich schnell gefunden. Leider hielt der Wetterbericht nicht ganz was er versprach und immer wieder zogen dichte, hohe Wolkenfelder vorüber. So schnell wie diese heranzogen, verfärbte sich der Himmel auch wieder azurblau. Es war ein unglaubliches Wetterspektakel. Gegen Abend stieg dann die Nebelgrenze immer höher und wir "flüchteten" auf den nahe gelegenen Grat. Von hier konnten wir das Spiel des Nebels beobachten. Wie die Brandung schwappte das graue Meer immer tiefer ins Tal. Wenn die Nebelschwanden sich uns näherten, zeichnete sich darauf ein prächtiges Brockengespenst (Nebelhexe) ab.
In der Nacht liessen wir uns noch einmal wecken, um den Sternenhimmel zu bewundern. Doch auch zu diesem Zeitpunkt zogen immer wieder grössere Wolkenfelder durch, sodass wir keine rechte Sternspur belichten konnten. Dafür weckte uns am Morgen die Sonne mit ihrem warmen Licht. Morgenrot gab's leider keines, dafür aber ein gemütliches Morgenessen vor dem Zelt mit Blick auf das Seelein und den Petit Combin. Bald einmal packten wir unsere sieben Sachen und stiegen wieder zur Hütte ab. Die Ruhe dieser unberührten Bergwelt hat uns einmal mehr gut getan!

TOURDATEN
Aufstieg: 449m
Abstieg: 449m
Strecke: 7km
Reine Wanderzeit: 3,0h
Tiefster Punkt: 2'103 M.ü.M. (Cabane Brunet)
Höchster Punkt: 2'552 M.ü.M. (Goli des Otanes)
Schwierigkeit: T2
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1346, Chanrion
Beste Wanderzeit: Juni-September
Unser Tourdatum: 24.08.2014
Besonderes: In  der Cabane de Brunet kann man sich wunderbar verpflegen oder sogar übernachten. Beim Seelein selbst weiden im Sommer für kurze Zeit die Kühe, ein Biwak könnte deshalb schwierig werden.









Samstag, 4. Oktober 2014

Nach Feierabend auf die Grosse Scheidegg

Am 18. August blickten wir schon den ganzen Tag aus dem Bürofenster und hofften, dass das Wetter hält. In diesem Sommer wurden wir ja wahrlich nicht gerade von tollem Bergwetter verwöhnt. Um 16:00 Uhr war dann Feierabend und der Plan stand fest: sofort die Velos ans Auto schnallen und ab nach Grindelwald. Dort erreichten wir nach kurzer Fahrt den Wetterhornparkplatz, wo wir auf die Drahtesel umsattelten. Es blieb immer noch genügend Zeit für eine 1.5stündige, kräftezehrende Radtour auf die Grosse Scheidegg. Unglaublich, wie extrem rund 650 Höhenmeter in die Waden fahren können. Doch als wir oben endlich wieder zu Atem kamen, eilten wir ans Chlosterseeli (Antseeuwen) und waren begeistert von der prächtigen Berglandschaft. Zwar war der Eiger den ganzen Abend in dichte Wolken gehüllt, aber das Seelein spiegelte die restliche Berg- und Wolkenwelt wunderbar. Auch die vielen Heidelbeeren versüssten uns den abendlichen Aufenthalt und entschädigten uns für die Mühen.
Später verfärbte sich die majestätische Bergwelt in glühendem Rot. Unsere Berglerherzen schlugen höher und voller Begeisterung dokumentierten wir dieses intensive Alpenglühen. Kaum zu glauben, dass zwischen Büro und Bergwelt erst ca. 3,5 Stunden vergangen waren! Es ist schon ein Privileg, an einem so schönen Fleckchen Erde wohnen zu dürfen.

Nach dem glutroten Spektakel düsten wir in nur gerade 15 Minuten und in der Dämmerung wieder hinunter nach Grindelwald. Wow, was für ein Feierabenderlebnis! Um 22:00 Uhr lagen wir bereits wieder in Krattigen in unserem kuscheligen Bett, mit vollgetankten "Seelenbatterien", bereit für den nächsten Arbeitstag!

TOURDATEN (Wanderung Wetterhornparkplatz-Chlosterseeli und retour)
Aufstieg: 638m
Abstieg: 638m
Strecke: 10km
Reine Wanderzeit: 3,5h
Tiefster Punkt: 1'230 M.ü.M. (Parkplatz Wetterhorn)
Höchster Punkt: 1'868 M.ü.M. (Antseeuwen)
Schwierigkeit: T2
Swisstopo Karte: 1:25:000, Blatt 1229, Grindelwald
Beste Wanderzeit: Juni-August
Unser Tourdatum: 18.08.2014
Besonderes: Tagsüber sind auf der Strasse zahlreiche Cars und Radfahrer unterwegs. Am Abend kann man die Strecke in Einsamkeit geniessen. Der Durst kann anschliessend im Hotel-Restaurant beim Parkplatz Wetterhorn gestillt werden. Achtung: Im Sommer zerstören leider die weidenden Kühe grosse Teile des Chlosterseelis.